Bericht: Wasserstadt Triathlon Hannover-Limmer

Wettkampf

Im letzten Eintrag schrieb ich:

Die Beine sollten am Sonntag dann wieder frisch sein.

Sind die Beine frisch? Bist du bereit für diesen Tag? Wie wirst du mit der Hitze klar kommen?
Viele Fragen beschäftigten mich die letzten Tage vor dem ersten wirklich großem Tag dieses Jahr. Vergangenen Sonntag sollte nun endlich die lang ersehnte Generalprobe für die 70.3-WM stattfinden.

Die letzte Woche verlief relativ unspektakulär. Die Trainingsumfänge und Intensitäten wurden runtergefahren und ich hatte nur kurze Einheiten mit ein paar Reizen im Wettkampftempo. Am schwierigsten fiel mir das „Füße still halten“. Wenn der Trainingsumfang von knapp 20 Stunden auf 5 Stunden runtergefahren wird, erholt sich zwar der Körper, allerdings wird bei mir dann die mentale Stärke besonders gefordert. Ruhige Momente werden von vielen Fragezeichen überschattet. Gespräche mit Vereinskollegen lasse ich Revue passieren und prüfe meine Leistungen der letzten Wochen kritisch. Wo stehe ich? Habe ich genug trainiert? Bin ich gut vorbereitet? 

Um unnötigen Stressfaktoren zu entgehen entschied ich mich für eine entspannte Anreise schon am Freitag. Die Anreise nach Hannover verlief problemlos und war entspannt. Wie immer, in Hannover, konnte ich mich bei Christoph einquartieren.

Am Samstag fand die Sprintdistanz der Landes- sowie Verbandsliga statt. Da ich mich gegen einen Doppelstart entschied, habe ich mich entschieden als Helfer am Schwimmausstieg zu helfen und konnte so hautnah meine Teamkollegen und viele alte Bekannte, aus Hannover, erleben, anfeuern und hoffentlich auch motivieren. Da die Laufstrecke direkt am Schwimmausstieg entlang führte, konnte ich auf beiden Laufrunden lautstark anfeuern.

Zum Abschluss haben haben Micha, Maike, Christoph und ich, am Abend, noch das übliche Pasta-Carboloading gemacht. Anschließend ging es zeitig schlafen, damit der Start über 1,9km Schwimmen, 90km Rad und 21,1km nach ausreichend Schlaf erfolgen konnte.

Nachdem wir am nächsten Morgen ausgiebig gefrühstückt hatten, packten wir unsere Sachen in das Auto um nach Limmer zum Startpunkt zu fahren. Dort angekommen haben wir den Bike Check-In gemacht und die Wechselzone eingerichtet. Anschließend folgte eine kurze Wettkampfbesprechung durch den Veranstalter. Gegen 11 Uhr zog ich meinen Neoprenanzug an und begab mich zum Schwimmstart. Um 11:30 Uhr sollte der Schwimmstart erfolgen.

Kurz vor dem Schwimmstart…

Pünktlich um 11:30 Uhr erfolgte der Startschuss für meine Startgruppe, welche die erste von drei war.

Schwimmen
Zu Anfang galt es heile aus dem engen Getümmel zu entfliehen und einen Rhythmus zu finden. Das klappte „ok“. Leider fand ich keine ordentliche Gruppe, an welcher ich mich anschließen konnte. Ich schwamm nun relativ einsam mein eigenes Ding. An der Wendeboje wurde es wieder eng und ich bekam prompt ein Knie gegen meinen Kiefer. Scheckmoment! Zum Glück ist nicht weiter etwas passiert. Ich entschied mich nach der Wende dann mein eigenes Ding weiter durchzuziehen, um es noch bis zum Rad zu schaffen 🙂 Nach ziemlich genau 29 Minuten konnte ich den Kanal verlassen. Die Zeit ist etwas langsamer als geplant, allerdings konnte keiner so richtig seine angepeilte Zeit schwimmen. Auf dem Weg in die Wechselzone sah ich einen Teamkollegen unmittelbar vor mir und wusste, dass ich ein gutes schwimmen abgelegt hatte, wenn ich schon so dicht hinter ihm bin 😉 Auf Position 13. ging es dann in die Wechselzone.

Auf dem Weg in Wechselzone 1.

Wechsel 1:
Quintessenz: Neo ausziehen üben!
Linken Arm, rechten Arm und rechtes Bein konnte ich wunderbar aus dem Neo entfernen. Was fehlt? Genau, das linke Bein, wo auch der Transponder angeschnallt war. Ich versuchte ruhig zu bleiben und kniete mich hin um den Neo vollständig auszuziehen. Dabei bekam ich im hinteren Oberschenkel einen kurzen Krampf. Glücklicherweise konnte ich in dieser Sekunde auch aus meinem Neo rutschen ;-). Helm und Brille auf, durch das Startnummernband geschlüpft und weiter ging es zur Radstrecke.

Rad
Besser als in Weiden kam ich gut in die Schuhe und die Technik am Rad funktionierte sofort und ohne Probleme. Da die Strecke in Hannover sehr flach ist begab ich mich schnellstmöglich in die Aero-Position um die bestmögliche Aerodynamik so schnell wie möglich zu erreichen. Auf dem Rad überlegte ich mir für dieses Rennen etwas gewagtes. Aufgrund der Problemchen zwischen meinem Wattmesser, den Ergebnissen aus der Leistungsdiagnostik und mir entschied ich mich an diesem Tag nicht auf meinen Körper zu hören. Da ich nicht aus dem Radsport komme, weiß ich, dass ich mich auf dem Rad nicht besonders ausbelasten kann. Ich entschied mich also stur meine Wattwerte zu treten – auch wenn mir diese im Training schwer (bis unmöglich) zu treten fielen. Schnell holte ich den Rückstand nach dem Schwimmen wieder auf. Die Leistungswerte stimmten und mein Belastungsbereich war in Ordnung und ich ging das Risiko ein, diese Leistung weiterhin zu halten. Nach etwa 10 Kilometer hatte ich unseren schnellsten Schwimmer eingeholt und war somit an Position eins aus unserem Verein vorgefahren. Insgesamt waren drei Runden zu fahren. 45:33, 45:22 und 46:36 waren meine Rundenzeiten. Das sind 39, 39.1 und 38.2 km/h, wobei auf der letzten Runde mehr Wind dazu kam. Entscheidend ist aber die Leistung. Laut meiner Leistungsdiagnostik sollte ich mich bei etwa 230W aufhalten. Ich bin im Schnitt 225, 225 und 219 Watt gefahren! NP-Watt: 227, 228 und 219 Watt. Das lief durchgehend ziemlich gut, auch wenn die letzten 20 Minuten dann schon ziemlich knackig wurden und ich richtig arbeiten musste. Ich habe meinen Rückstand vom Schwimmen schnell wieder aufgeholt und konnte meinen Vorsprung bis auf über 7 Minuten ausbauen. Für mich war es genau die richtige Entscheidung nicht auf mein Gefühl zu hören, sondern stumpf nach Leistung zu fahren. Das ist aber mit Vorsicht zu genießen und soll keine Empfehlung sein! 😉

Kopf zwischen die Schultern, klein machen und drücken, drücken, drücken…

Wechsel 2:
Der zweite Wechsel verlief problemlos. Ich hatte Lust auf den abschließenden Halbmarathon und habe mich stark gefühlt. Socken und Schuhe an und ab ging die Post.

Laufen
Eigentlich genau mein Ding! Diesmal aber nur eigentlich. Aufgrund der doch erhöhten Temperatur habe ich es auf dem Rad etwas zu gut mit der Verpflegung gemeint und mich Überverpflegt. Die Abrechnung hatte ich dann auf Kilometer 2-9. Acht Kilometer mit Seitenstechen und massiven Magenproblemen. Die Pace ging bis auf 5min/km runter. Ich konnte vorerst nur die ersten beiden Kilometer in meiner angedachten Pace von unter 4:15min/km laufen. Ich schleppte mich also von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle und begoß mich mit kaltem Wasser um meinen Körper abzukühlen. An den Verpflegungsstellen legte ich Gehpausen ein, damit mein Magen sich beruhigen konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren nur sehr wenige Läufer auf der Laufstrecke. Es mussten zwei Runden á etwa 10km gelaufen werden. Dann kam die Wende! Ab Kilometer 9 steckte wieder jemand den Stecker rein und ich konnte meine angestrebte Pace halten. Als ich mein Tief gerade überstanden hatte, kam ich bei meiner Schwimmtrainerin vorbei, welche mir zurief das ich wohl Gesamt 7 wäre und über 9 Minuten Vorsprung vor dem Zweiten aus unseren Reihen hätte. Gesamt 7. konnte ich gar nicht fassen – schon gar nicht nach diesen Katastrophalen ersten Kilometern. Auf den letzten 11 Kilometern konnte ich die Pace weiterhin halten und mich so auf einen 1:34h Halbmarathon retten. Nicht das was ich geplant hatte, aber für die Umstände in Ordnung. Aus Fehlern lernt man…

Ziel
Während des Zieleinlaufs fiel eine so unglaublich große Last von mir! Ich konnte nicht nur mein persönliches Ziel von einer Gesamtzeit unter 4:30h erreichen. Ich bin nach 4:25h über die Ziellinie gelaufen. Gesamtplatz: 5. Altersklasse: Gewonnen! Gestartet sind über 400 Triathleten! Momentan ist diese Zeit (und Platzierung) für mich noch immer irreal. Letztes Jahr in Schweden habe ich nach 4:48h die Ziellinie überquert und dafür einen Glücks-WM-Slot angenommen. Mit dieser Performance habe ich so langsam das Gefühl, diesen auch verdient zu haben.

Zieleinlauf.

Fazit
Ich bin super glücklich mit dieser Performance! Ich habe nun, nach etlichen Trainingsstunden, 6:30 Uhr Frühschwimmeinheiten, einsamen Kilometern auf dem Rad und zu Fuß die Belohnung bekommen.

Man liest viele Berichte im Internet in denen sich für Unterstützung bedankt wird. Ich weiß jetzt warum! Eine solche Leistung (sowie Leistungssteigerung) bringt man nicht einfach mal so. Man braucht ein Team. Ein Team aus Beratern und Teamkollegen. Menschen die beruhigen sowie Menschen die Pushen. Menschen die einem den Rücken freihalten sowie Menschen die hinter dem Rücken reden (auch das pusht ;-)). An dieser Stelle kann ich einfach nur ein großes DANKE aussprechen. Danke, an meine Familie! Sie halten mir immer (!) den Rücken frei, haben so großes Verständnis und hören sich stundenlanges Triathlongelaber von mir an. Danke, an Birte und Gunnar – ohne euch wäre das nicht möglich! Danke, an meine Teamkollegen welche mich in Trainingseinheiten fordern und zu Höchstleistungen pushen. Danke, an meine Freunde welche mir kein Bier mehr anbieten. Danke, an meine Arbeitskollegen welche Montags in mein Büro kommen und mir ein High-Five auf meine Leistung am Wochenende geben.

DANKE

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com