Bericht: IRONMAN 70.3 World Championship in Chattanooga

Wettkampf

Das lang ersehnte Wochenende war gekommen. Samstag haben wir uns erst das Frauenrennen angeguckt und anschließend den Fahrrad in die Wechselzone gebracht.

Organisatorische Vorbereitungen

Es gibt bei den großen Events meist drei Beutel. Die Beutel hängen oder liegen dann in der Wechselzone nach Nummer sortiert. Diese Beutel müssen, wie auch das Rad, schon am Vortag abgegeben werden. Der Beutel in der ersten Wechselzone (Schwimmen -> Rad) war bei mir nur mit Sonnenbrille und Helm gefüllt. Gleichzeitig dient dieser Beutel als Schwimmbeutel, worin nach dem Schwimmen der Neoprenanzug, die Schwimmbrille und die Badekappe verstaut wurden. Der Beutel wird dann in der Wechselzone wieder abgeben. Nach dem Radfahren wird dann der nächste Beutel genommen, in welchem sich Laufschuhe, Mütze, Socken und ein Gel befanden. Nach dem Rennen hat man Zugriff auf den dritten Beutel, in welchem sich die Klamotten von vor dem Rennen befinden. So hat man seine trockene Kleidung wieder und braucht nicht zwingend jemanden der auf einen Rucksack aufpasst. Nachdem die Beutel abgegeben und das sicher in der Wechselzone verstaut war, fuhren wir nach Hause um die Beine hochzulegen und nochmal ordentlich zu essen.

Das Rennen

Der Wecker klingelte um 5 Uhr. Abfahrt war gegen 6 Uhr. Ankunft 6:30 in der Innenstadt. Die Wechselzone hatte am Renntag noch von 5:30 – 7:30 geöffnet. In dieser Zeit habe ich meine Flaschen am Rad (integriertes Trinksystem am Lenker) aufgefüllt und angebracht (Aero-Radflasche am Rahmen) und den Luftdruck meiner Reifen geprüft sowie angepasst.

Pünktlich um 7:30 Uhr war der Startschuss der Profis. Da mein Start erst um 9:13 Uhr war, hatte ich noch genügend Zeit das Schwimmen der Profis und der folgenden ersten Agegrouper (Altersklassenathleten) anzuschauen. Gegen 8:30 Uhr zog ich dann meinen Triathlon-Einteiler (schnelltrocknend, dünn und aerodynamisch) an und meinen Neoprenanzug darüber. Ich verabschiedete mich von meiner Support-Crew und begab mich zum Schwimmstart.

Schwimmen

Es gab einen Rolling-Wave-Start. Rolling-Start bedeutet, dass immer 10 Athleten gleichzeitig ins Wasser gelassen wurden und zusammen starten. Es gab verschiedene Waves (Wellen) in welchen sich die Altersklassenathleten befanden. Wave 11 war die vorletzte und die der Altersklasse 18-24 Jahre. Ich startete also zusammen mit direkten Konkurrenten und wir starteten im Rolling Start, was ein starkes gekloppe zu Beginn deutlich verringert.

Die Schwimmstrecke verlief zu Anfang in Richtung des anderen Ufers und dann, die Hälfte der Strecke, direkt Flussaufwärts. Da der Fluss Strömung hatte, musste man aufpassen, dass man nicht durch die Strömung abgetrieben wird und so unnötig Energie verbraucht. Das gelang mir, vom Gefühl her, ganz gut und ich konnte den ersten Abschnitt gut schwimmen. Das Schwimmen gegen den direkten Strom funktioniert auch, auch wenn es etwas zäh war, da man wirklich deutlich langsamer war. Auf den ersten beiden Abschnitten des Schwimmen verlor ich etwa 2,5 Minuten, im Gegensatz zu meiner eigenen Schwimmform, welche momentan sehr solide ist. Der Rückweg war dann mit dem Strom und natürlich dementsprechend schneller. Zwar konnte man den Rückstand nicht mehr aufholen, aber von den 2,5 Minuten welche ich verloren habe, konnte ich vielleicht wieder 0,5 Minuten aufholen. Das ganze hat mich aber nicht aus der Ruhe gebracht, da alle Athleten die gleiche Strecke geschwommen sind und somit diese Verzögerung hatten. 😉

Wechsel vom Schwimmen aufs Rad

Erstmals in meinem Leben wurde mir der Neoprenanzug komplett von fremden Händen ausgezogen. Auf der Treppe beim Schwimmausstieg wurde mir der Klettverschluss auf dem Rücken geöffnet und der Reisverschluss runtergezogen. 10 Meter weiter vorne standen Helfer welche einem den Neoprenanzug ausgezogen haben. Die schnellste Variante ist: Neoprenanzug öffnen, bis zur Hüfte runterziehen und dann auf den Rücken legen, die Füße nach oben strecken und einer zieht ruckartig den Neoprenanzug über die Beine. Genauso wurde es auch bei mir gemacht. 😀 Das ging sehr schnell und es ging weiter zu den Wechselbeutel. Diese wurden von den Helfern schnell rausgesucht und an die Athleten übergeben. Das funktionierte wunderbar. Ich zog meine Brille und meine Badekappe ab und packte sie in den Beutel. Im nächsten Moment nahm ich meine Brille aus dem Beutel und setze anschließend meinen Helm auf. Dann noch der Neoprenanzug in den Beutel. Anschließend konnte ich den Beutel, an einer dafür vorgesehenen Stelle, abwerfen und zum Rad laufen. Dort bin ich leider eine Reihe zu weit gelaufen. Dort stand zufälligerweise auch genau mein Rad. Zum Glück guckten die Gels oben aus der Verpflegungsbox raus, sodass ich schnell erkannte das es nicht mein Rad war. Schnell unter dem Ständer durch und mein Rad gegriffen. Mit dem Rad ging es laufend aus der Wechselzone bis zu einer Linie, ab der aufgestiegen werden darf. Bis auf meinen Ausflug in die falsche Reihe verging der Wechsel problemlos.

Radfahren

Die ersten Kilometer ging es aus der Stadt raus. Die Straßen waren hier leider nicht sonderlich gut und ich hatte etwas Angst, das mir meine Aero-Verpflegungsflasche, mit acht, in Wasser, aufgelösten Gels abfällt. Zum Glück passierte das nicht. Nach weniger als 10 Kilometern kam der berüchtigte Anstieg zum Lookout Mountain. Mountain trifft es gut. Die nächsten 6 Kilometer ging es stetig bergauf mit zwischen 8 und 18 Prozent Steigung. Diesen Part sollte man sehr vorsichtig angehen, damit man auf den kommenden Kilometern noch Energie hat. Bis Kilometer 40 ging es dann wellig, gespickt mit kurzen, aber sehr steilen, Anstiegen weiter. Es folgte eine lange Abfahrt bei welcher ich bestimmt 25 Leute eingeholt habe. Ich habe die bestmögliche Aerodynamische Position eingenommen und konnte ohne Leistung zu erbringen „gemütlich“ an den anderen vorbeifahren. Das war sicherlich etwas gefährlich, zumal viele Athleten in der Mitte der Straße gefahren sind, aber bei einer WM muss man auch mal riskieren. Maximale Geschwindigkeit war etwa um die 80km/h. Nach 65 Kilometern auf dem Rad fing es dann an zäh zu werden und ich merkte, dass ich am Berg viel Energie aufgebracht habe. Zum Glück waren es „nur“ noch 25 flache bis wellige, Kilometer bis zur Wechselzone. Also deutlich weniger als eine Stunde Fahrtzeit. Beim einfahren in die Stadt fuhr ich an einem Athleten mit dem Nachnamen „Teichmann“ vorbei und fragte scherzend ob er noch Lust aufs Laufen hat. Er antworte mit „Natürlich!“. 😉 Zu diesem Zeitpunkt war es schon sehr warm und zumindest meine Beine waren schon sehr angeschlagen.

Wechsel vom Rad aufs Laufen

Auf dem Rad bin ich schon aus den Schuhen gestiegen und stand barfuß auf der Oberseite der Schuhe. Der Abstieg klappte problemlos und das Rad wurde mir gleich zu Anfang in der Wechselzone abgenommen. Was ein Service. 🙂 Ich griff meinen Beutel mit den Laufschuhen, Socken, Mütze und Gel. Beim anziehen meiner Schuhe fragte mich jemand in Deutscher Sprache, welche Zeit ich etwa auf dem abschließenden Halbmarathon laufen will. Es war „Teichmann“, welchen ich kurz zuvor auf dem Rad überholt hatte. Ich antworte lachend, dass ich nicht weiß, ob ich auf diesem Kurs eine 1:30h laufen kann. 😀 Wir beschlossen zusammen loszulaufen.

Laufen

In, für mich, sehr schnellen 3:51 Minuten legten wir den ersten Kilometer zurück. Dann kam der erste Berg und die Geschwindigkeit nahm, aufgrund der Höhenmeter, etwas ab. Das Tempo blieb aber weiterhin hoch. Die Beine fühlten sich noch ganz gut an und so verging ein Kilometer nach dem anderen relativ flüssig. Die knackigen Anstiege brachten mich immer etwas aus dem Rhythmus, aber ich hatte Bock auf einen schnellen Lauf – #ballern. Florian Teichmann und ich haben ab und zu ein kurzes Schwätzchen gehalten und uns über die Radstrecke und Zeit, unsere Herkunft sowie unsere Namen ausgetauscht. Bis etwa Kilometer 14 liefen wir weitestgehend zusammen. Manchmal ich vorne, manchmal er, manchmal Schulter an Schulter. Das war sehr, sehr motivierend und lies die ersten 14 Kilometer sehr kurzweilig erscheinen. Wir hielten gegenseitig die Geschwindigkeit hoch und schenkten uns nichts – schließlich wollten wir beide ein schnelles Rennen machen! Da Florian eine Altersklasse über mir war, war es ein geben und nehmen und kein Konkurrenzkampf. Sowas bei einer WM in Amerika und dann noch mit einem sympathischen Deutschen ist ein Traum und war Gold wert! Nach 14 Kilometern musste Florian leider etwas abreißen lassen und ich war auf mich allein gestellt. Da ich auf dem Rad scheinbar etwas zu viel Verpflegung zu mir genommen hatte, konnte ich nichts auf der Laufstrecke essen und erst ab Kilometer 10 Wasser zu mir nehmen. Dazu musste ich mich aber auch eher zwingen, da wir nun schon knapp über 40 Minuten in der vollen Mittagssonne unterwegs waren. An den Verpflegungsstationen vorher nahm ich jedes Wasser und Eiswürfel und kippte sie mir über den Kopf, um mich abzukühlen. Bei Kilometer 18 merkte ich einen flauen und leeren Magen. An diesem Punkt noch was zu essen hätte aber keinen Sinn gemacht. Es waren auch nur noch 3 Kilometer bis ins Ziel. Mit mentalen Spielchen wie „das läufst du zum einlaufen, vor deinen Intervallen“, hielt ich mich über Wasser und konnte die hohe Geschwindigkeit bis ins Ziel weiterlaufen.

Zieleinlauf

Von meinem Vater wurde mir, auf der Zielgeraden, die Deutschlandflagge gereicht, welche ich mir über beide Schultern spannte und so ins Ziel lief. Großartige Stimmung und pure Erleichterung nach dem Zieleinlauf konnte ich verspüren. Der Moderator sagte mich und meine Herkunft durch. Von einem Helfer wurde ich in Empfang genommen, bekam ein Handtuch und eine kalte Flasche Wasser. Das meiste davon kippte ich mir über meinen Kopf, da es wirklich sehr heiß war. Ich bekam noch ein T-Shirt, eine Mütze und eine kalte Cola bevor ich zu meiner Familie konnte und das Finish feiern konnte.

Äußere Bedingungen und Zeiten

Der Neoprenanzug beim Schwimmen hätte ruhig verboten werden können. Das Wasser war schon sehr warm und es war grenzwertig im Neoprenanzug nicht zu überhitzen.

Die Zeit auf dem Rad konnte ich vorher nicht abschätzen. Ich kann im Nachhinein nur zufrieden sein, da ich meine angepeilten 220 Watt im Schnitt auf den Punkt getroffen habe.

Das Wetter in unseren Apps wurde mit 25 Grad angegeben. Keine Ahnung wo die das messen. Vielleicht im Schatten, im Keller? Ich, als weißer Deutscher, habe auf meinem abschließenden Halbmarathon in 1:34h einen Sonnenbrand auf meiner Brust bekommen, weil ich meinen Einteiler offen hatte! Der Lauf, mit 300 Höhenmetern, war knüppelhart. Hart wurde es zum Glück nur durch die äußeren Bedingungen und nicht durch noch zusätzliche körperliche Umstände. Das stimmt mich sehr positiv.

Mit Altersklassenplatz 46 von 111 in einer sehr starken Altersklasse und in den Top 20 Prozent der Weltspitze kann ich, für die erste Weltmeisterschaft (;-)) gut leben. 🙂

Somit kann ich sehr zufrieden mit dem Rennen sein und mich voller stolz und Freude bei allen bedanken die an diesem Projekt mitgewirkt haben. Das letzte Jahr war ein hartes Stück Arbeit und hatte Höhen und Tiefen. Ich kann positiv in die letzten Monate zurückblicken und mein Triathlonjahr mit diesem Rennen sehr zufrieden abschließen. Danke für euren Support und die unzähligen Nachrichten in den letzten Tagen!



 

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