Bericht: Palma Marathon

Wettkampf

Ist es möglich einen Marathon aus dem Triathlontraining zu laufen, wenn man nur zwei Wochen Vorbereitung hat?

Meine kürzeste aber intensivste Marathonvorbereitung hatte ich für den Palma Marathon. Zurück aus Amerika, waren zwei Wochen intensive und viele Laufkilometer auf dem Plan. In der ersten Woche habe ich 106 Laufkilometer zurückgelegt und die Woche mit dem Halbmarathon in Kassel abgeschlossen.

Kurzer Rückblick zum Kassel Halbmarathon

Meinen längsten Lauf dieses Jahr habe ich im Zuge des Kassel Halbmarathon gemacht. 11 Kilometer „einlaufen“ und dann 21 Kilometer Halbmarathon in Kassel. Bestzeit habe ich nicht erwartet und während des Rennens nur gewartet wann der Einbruch kommt. Meine Rennwoche war intensiv und ohne Ruhetag.

Die Strecke in Kassel ist auf der ersten Hälfte flach, wird dann hügelig und am Ende geht es bergab und wird wieder schneller. Ich lief die ersten Kilometer in deutlich unter 4er Pace an und fühlte mich erstaunlich gut. Ich behielt die Geschwindigkeit im Auge, habe mich trotz meiner Angst gut gefühlt und hielt das Tempo weiterhin hoch.

Eine Sache kann ich jedem ans Herz legen: Wenn es läuft, seid vorsichtig, aber lauft!

GPS-Uhren verunsichern in meinen Augen viel zu sehr und stellen oft eine Blockade dar. Ein Beispiel aus Kassel: Ich bin mit zwei Männern die Lilienthalstraße gelaufen. Flach und schnell, etwas windig. Wir liefen unmittelbar hintereinander und suchten Windschutz beim Hintermann. Einer der beiden lies schnell abreißen und wir waren zu zweit. Die Uhr meines Vordermannes klingelte und zeigte die Geschwindigkeit des zurückliegenden Kilometers an. Mein Vordermann nahm extrem Tempo raus. Ich bin ihm in diesem Moment fast in die Hacken gelaufen. Ich fragte ob alles in Ordnung sei. Er antwortete: „Ja, aber ich muss das Tempo rausnehmen, weil ich zu schnell laufe.“ Ich verkniff mir meine Meinung zu der Aktion und lief das Tempo weiter.

Etwa bei Kilometer 12 stand ein älterer Herr. Dieser sagte leise und stumpf „26“. Mehr nicht. Ich vermutete es ist mein Gesamtplatz und lief motiviert weiter. Da ich immer noch Energie hatte konnte ich auf der zweiten Hälfte viele Läufer überholen und konnte, dank meiner Streckenkentnisse, die Steigungen aggressiv und schnell laufen. Im Kopf zählte ich bei jedem Überholvorgang runter: „25, 24, 23“.

Drei Kilometer vor Ziel rechnete ich auf welchem Kurs ich bin. Eine neue Bestzeit war zu diesem Moment tatsächlich in Reichweite. Motiviert ging es weiter und die letzten Steigungen hoch. Das Läuferfeld war übersichtlich und ich wurde von den Zuschauern und Moderatoren der Hot Spots getragen. Ein Kilometer mit viel Gefälle folgte und ich konnte gut 20 Sekunden gut machen. Im Ziel angekommen: Bestzeit. Top 25 von über 2000 Startern.

In Kassel habe ich wieder gemerkt, dass Uhren und Technik oft den Kopf blockieren. Natürlich kann eine Uhr ein guter Gradmesser sein, sollte aber nicht komplett die Steuerung übernehmen.

Mallorca

Mein vierter Marathon sollte der Marathon auf Mallorca werden. Für den 6-Tages-Trip begleiteten mich die fittesten, fast 80 Jährigen, Rentner die ich kenne – Oma und Opa! 🙂 Wir reisten Donnerstag an und bezogen unser Quartier in unserer gemieteten Wohnung. Gelegen war die Wohnung sehr zentral mitten in Palma. Die Innenstadt war fußläufig zu erreichen. Freitag stand ein ausgiebiger Stadtbummel auf dem Programm, welcher auch die Startunterlagenausgabe beinhaltete. Nach 15 Kilometern waren wir müde wieder in der Wohnung und in fielen ins Bett. Samstag machten wir einen Ausflug nach Paguera wo die Challenge Paguera stattfand. Ein Triathlon über die Mitteldistanz. Wir verbrachten den Tag in Paguera und feuerten besonders die Deutschen Athleten an. Mit 14 zurückgelegten Kilometern fielen wir wieder erschöpft ins Bett. Nach diesem Tag war ich motiviert und hatte einfach nur noch Bock den Marathon zu laufen!

Palma Marathon

Sonntag 9 Uhr war endlich Start des Marathons und des Halbmarathons. Eine Runde für die Halbmarathon- und zwei Runden für die Marathonläufer. Schon öfter hörte ich von der harten Strecke in Palma. Ich hatte Respekt und war gespannt wie die erste Runde verläuft. Die ersten fünf Kilometer waren flach und führten am Hafen vorbei, zu einem Wendepunkt. Schatten gab es hier keinen. In der ersten Runde aber auch noch kein Problem 😉 Ich lief konstant in 4:08min/km die ersten Kilometer los. Die Beine fühlten sich gut an. Der Wendepunkt lag hinter einem kleinen Hügel. Hügel hoch, wieder runter, Wendepunkt, wieder hoch und wieder runter. Flach ging es zurück zur Kathedrale und in die verwinkelte und hügelige Innenstadt. Hier begann der Spaß: 90 Grad Kurven auf unebenen Wegen und schnelle Tempowechsel. Die Oberschenkel fingen an zu brennen und das Rennen begann. Nach etwa 1:27h durchlief ich den Halbmarathon und war auf 2:55h Kurs. Genau das war auch mein Plan. Die Halbmarathonläufer waren nun nicht mehr auf der Strecke und das Feld wurde übersichtlich. Ich fand zwei weitere Läufer welche erzählten, dass sie 2:55h laufen wollten. Wir bildeten eine Gruppe und liefen die nächsten 15 Kilometer zusammen. Ich, schon wirklich am Limit, versuchte das Tempo hochzuhalten und die Gruppe nicht zu verlieren. Kurz zur Gruppe: 24, 34 und 44 Jahre alt. Der 34 Jährige ist Österreichischer Ultraläufer und rennt die 100 Kilometer in knapp über sieben Stunden. Der 44 Jährige Ulmer weißt eine Marathonbestzeit über 2:36h in Chicago auf. Kurzzeitig war ich mir unsicher ob ich wirklich mit den beiden mitlaufen sollte, oder ob ich mich vielleicht etwas überschätze 😀 Die beiden zogen mich mit und wir liefen taktisch zusammen. Bei Kilometer 34 überholten wir gemeinsam die zweite Frau. Die Geschwindigkeit blieb konstant, ich konnte aber ab Kilometer 35 nicht mehr folgen. Langsam aber sicher haben sich die beiden von mir entfernt. Ab hier begann Marathon. 7 Kilometer waren noch zu laufen. Mit mentalen Tricks hielt ich mich bei Laune und das Tempo so hoch wie möglich. Nach 2:58h lief ich über die Ziellinie und rannte somit meinen ersten Marathon unter drei Stunden. Bei 25 Grad und 250 Höhenmetern inklusive der Innenstadt von Palma bin ich damit sehr zufrieden.

In meiner Altersklasse konnte ich den fünften Platz von 107 Startern belegen. Gesamtplatz: 40. Einer Frau habe ich den Vortritt gelassen. 🙂

Den Tag ließen wir Mallorca-Typisch am Ballermann ausklingen. Im Mega Park fand die Marathon-Party statt. Zufällig waren drei Freunde aus meiner Heimatstadt ebenfalls auf Mallorca und wir trafen uns alle im Mega Park. Mit alle meine ich auch meine Begleitung! Volles Programm inklusive Biersäule und Hotdogs im Mega Park. Um 0 Uhr fuhren Oma und Opa zurück in die Wohnung. Ich blieb weiter am Ballermann. Alles was dann passiert ist, bleibt am besten auf Mallorca… 😉

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