Bericht: Challenge Roth

Wettkampf

„Der längste Tag des Jahres“

Ein Spruch den Triathleten gerne mit der IRONMAN-Distanz verbinden. Das Nonplusultra unter den Triathlon-Streckenlängen. Für viele bleibt das absolvieren von 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42km Laufen lange ein Traum. Oft wird daraus irgendwann ein Projekt. Das Projekt diese Distanz zu bezwingen. So im letzten Jahr auch bei mir.

In Deutschland gibt es zwei der größten Triathlons weltweit. Den Challenge in Roth und den IRONMAN in Frankfurt. Zwei verschiedene Veranstalter. Eine Streckenlänge. Die gleiche Herausforderung. Mit Glück konnte ich schon im letzten Jahr einen der begehrten Startplätze für den Challenge Roth ergattern. Das Ziel war also schon lange gesetzt.

Ein kleiner Schwenk in meine Kindheit:

In einem Urlaub auf Ibiza vor vielen Jahren, fand zufällig ein Triathlon statt. Keine wirkliche Langdistanz, aber es ging in die Richtung. Die Athleten kamen in Dunkelheit mit aufgescheuerten Brustwarzen (meine Familie beschreibt es als Blutüberströmt) im Ziel an und wurden in Golddecken eingepackt. Das es auch anders geht wollte ich beweisen.

Das Training der letzten Monate verlief sehr gut. Ich hatte keine großen Verletzungen oder langwierigen Erkältungen und konnte mein Training meist wie geplant durchziehen. Die Vorbereitung war zufriedenstellend und ehe ich um den heißen Brei herum rede, nun der Wettkampftag in Worten und Bildern:

Nachdem am Vortag das Rad eingecheckt und die Wechselbeutel abgegeben werden mussten ging es zurück ins Hotel um den Abend entspannt und ruhig ausklingen zu lassen. Der Wecker am nächsten morgen klingelte um 4 Uhr. Also mitten in der Nacht.

Über 4000 Starter, mehr als 250.000 Zuschauer und über 7500 Helfer waren am Renntag im Einsatz. Die Veranstalter hatten die Menschenmassen unter Kontrolle und die Parkplatzsuche war kein Problem. Das Rad hatte über Nacht keinen Schaden genommen und war bereit für den 180km Ritt durch den Landkreis Roth. Nach einem letzten Check Up zog ich meinen Neoprenanzug an, verabschiedete mich bei meiner Familie und begab mich zum Schwimmstart. Hier traf ich Timm und Frank. Ein gutes Gefühl bekannte Gesichter zu sehen. Gestartet wurde in Startwellen á 200 Athleten. Ich befand mich in der vierten Startwelle mit Start um 6:50 Uhr. Ich positionierte mich in erster Reihe um eine gute Ausgangslage zu haben. Der Kanal hatte eine angenehme Temperatur und es gab nicht allzu viel Gedrängel während des Schwimmstarts.

Ohne Uhr am Handgelenk konnte ich in diesem Jahr in Frankreich meine Bestzeit über 1,9km schon deutlich unterbieten. Den gleichen Plan hatte ich auch an diesem Tag. Ich ertappte mich während des Schwimmen zwar des öfteren zu sehr in meiner Komfortzone, stieg aber dennoch mit für mich sehr guten 59:07min aus dem Wasser. Nach 1:01h saß ich schon auf dem Rad und begab mich auf den Rundkurs welcher zweimal gefahren werden musste.

Auf dem Rad lief alles nach Plan. Ich hielt mich an meine Wattwerte und fuhr relativ konstant meine geplante Leistung. Erst fährt man durch Tour de France ähnliche Menschenmengen den Solarer Berg und oben angekommen positionierte sich meine Familie mit dieser rührenden Geste. Emotionen pur:

Nach etwas mehr als drei Stunden war meine Verpflegungsflasche leider leer (ich nehme Energie nach Gefühl zu mir) und ich musste auf die Verpflegung des Veranstalters zurückgreifen. Verpflegung auf dem Rad lief nicht ganz nach Plan, war aber zum Glück nur ein kleiner „Fehler“ ohne große Auswirkungen. Durch die sehr spät gestarteten Staffeln war die Radstrecke auf der zweiten Runde leider etwas voll und ich musste meine Geschwindigkeit den Möglichkeiten anpassen, aber das löste sich mit der Zeit wieder. Ohne besondere Vorkommnisse stieg ich nach etwa 5:10h Radzeit vom Rad und begab mich auf die Laufstrecke.

Gesamtzeit war aktuell 6:13h. Mein erklärtes Ziel war es unter 10h zu bleiben. Es lief also alles nach Plan und ich hatte ausreichend Zeit für den Marathon.

Rennplan war nicht zu defensiv anzulaufen und nicht schon vor Rennbeginn „Angst“ zu entwickeln. In meinen Augen ist das Kopfsache und man sollte sich nicht zu sehr verrückt machen vor dem Rennen. Unnötiger Stress. Ich lief also kontrolliert (!) los und konnte mein Tempo die ersten 10 Kilometer relativ entspannt halten. Bis etwa Kilometer 21 war ich im Soll und sehr zufrieden. Nach 21km zwang mich mein Körper das Tempo zu reduzieren. Ich durchlief die Verpflegungsstationen gehend um mich mit ausreichend Wasser und Abkühlung zu versorgen. Zwischen den Verpflegungsstationen lief ich „so schnell es ging“. Nach über 30 Kilometern musste ich auch zwischen den Verpflegungsstationen kurze Abschnitte gehen, da eine laufende Belastung nur noch schwer möglich war.

Als bei Kilometer 36 Yannis am Streckenrand stand und meinte

Wenn du 6km in unter 33 Minuten läufst, schaffst Du es noch unter 10 Stunden Gesamtzeit zu bleiben.

wusste ich, dass ich mich jetzt richtig zusammenreißen muss. Ich stellte meine Uhr auf die Tageszeit um und wusste, dass ich vor 16:50 Uhr im Ziel ankommen müsste. Nur mit Yannis Information gelang es mir tatsächlich die 10 Stunden Marke zu unterbieten. Er stand tatsächlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort 😉

Kurz vor dem Ziel stand meine Familie und gab mir den letzten Schub in Richtung Zielkanal. Das Extra für den Zieleinlauf aufgebaute Stadion macht den Zieleinlauf besonders und lässt ihn durch die gute Stimmung leicht werden. Zielzeit: 9:58:17h!

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf kann ich nun beweisen, dass blutige Brustwarzen und Blutüberströmte Athleten im Triathlon wohl eher selten zu sehen sind. 🙂

Erschöpft aber glücklich begab ich mich ins Ziel-Zelt um mich zu Verpflegung und eine lockere Massage zu gönnen. Mithilfe der kalten Duschen war es auch nicht riskant einzuschlafen 😉

Meine Familie und Supporter haben an diesem Tag einen ausgezeichneten Job gemacht und mich sensationell unterstützt. An diesem Tag besonders, aber: der Weg ist das Ziel. Das darf nicht vergessen werden und mein Umfeld spielt da aktuell besonders gut mit 🙂 DANKE!

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